Der Aufzug




Der negative und furchterregende Bestandteil des Traumes ist nicht das Aufsteigen oder das schwindelerregende Kreisen über der Stadt, sondern vielmehr die Angst, von dem Dach erdrückt zu werden.
Der Aufzug ist die Verbindung zwischen oben und unten, zwischen Unterbewußtsein und Wirklichkeit. Der aufsteigende Aufzug stellt bildlich die Emotionen im tiefsten Inneren dar, die zum Vorschein kommen, unkontrolliert und dermaßen stark, daß sie einen Unfall verursachen oder zum Wahnsinn führen könnten.
Der Traum zeigt einen innigen Wunsch, der in Emilia “aufsteigt”: ein Wunsch nach grenzenloser Freiheit, die euphorische Freude darüber (das schwindelerregende Kreisen) und der Bezugsverlust zum täglichen Leben. In der Tat kommt es nicht zum gefürchteten Unfall und für Emilia beginnt ein völlig neuer Abschnitt.
Und trotz des Freiheitsdranges, der vom tiefsten Inneren aufsteigt, hat sie Angst, ihn ans Licht zu lassen: das “Dach” stellt die obere Grenze der Seele dar.
Normalerweise sind wir überzeugt davon, daß wir bewußt unser Leben planen (der Aufzug muß uns dahin bringen, wo wir wollen. Wir drücken nur auf den Knopf der Etage, die wir erreichen wollen). Aber in den Träumen macht der Aufzug häufig nicht das, was wir wollen (er fährt hinauf, wenn wir hinunter wollen und umgekehrt)und zeigt so, daß wir das Unterbewußtsein weder kontrollieren noch beeinflußen können.