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Zu Anfang des 20. Jh. spricht Freud von der starken Macht, die der Traum auf das menschliche Seelenleben ausübt und beruft sich dabei auf seine therapeutische Erfahrung. Er klärt auf diese Weise das Mißverständnis zwischen Arzt und Philosophen auf, das über hundert Jahre lang geherrscht hatte und den Traum als physiologisches Ereignis abgestempelt hat.
Sein Werk wurde von vielen mit Skepsis und Feindseligkeit betrachtet, hatte aber trotzdem ein so starkes Echo, daß unser Jahrhundert ohne Freuds Werk undenkbar wäre.
Freud sah im Traum eine Ausdrucksform eines uns unbekannten Teiles der Seele und bezeichnete Traumstudium und -deutung als “Lehrweg zur Erkenntnis der Seele”.
Der Mensch hat in sich zwei starke antagonistische Tendenzen: das Prinzip des Gefallens und jenes der Wirklichkeit (unter Prinzip des Gefallens ist nicht nur das sexuelle gmeint, auch wenn sowohl Freud als auch seine Schüler sich vor allem auf diesen Bereich konzentrieren).
Das Prinzip des Gefallens besitzt eine enorme Energie, dem das Prinzip der Realität gegenübersteht.
Das Prinzip der Realität ist eine Art psychischer Mechanismus, den der Mensch gebraucht, um seine Realität den allgemeinen moralischen Voraussetzungen anzupassen. Dieses Prinzip verlangt nach dem Verzicht auf jenen Teil des Gefallens, der die von der Moral vorgegebenen Grenzen überschreitet.
Der Mensch schwankt auf diese Weise zwischen dem Gefallen und seinen Grenzen, wir könnten auch sagen, daß diese Behauptung in groben Zügen eine Vorstellung von Freuds Gedanken gibt und uns auf die Definition des Traumes verweist: der Traum ist der Ausweg, der Ausbruch der überschäumenden sexuellen Energie in unserem Unterbewußtsein.
Freud unterscheidet zwischen offenbarten und verborgenen Inhalten des Traumes: unter offenbartem Inhalt verstehen sich die Bausteine der Traumerzählung, die Ereignisse, die im Traum vorkommen. Aber all das ist nichts anderes als eine veränderte Ausdrucksform des wahren Traumgedankens, der unbekannt ist und nicht entdeckt werden will.
Die Verwandlung und Maskerade des wirklichen Trauminhaltes ist absolut notwendig, damit das Ich nicht auf brutale und direkte Weise erkennt, wie das eigene Innere wirklich ist.
Der Prozeß der Umwandlung und Maskerade der unaussprechbaren Gefühle, sexuellen Wünsche, Rachegedanken oder Mordlust wird zensuriert und handelt dementsprechend: es wird zwischen Akzeptablem und Anzupassendem unterschieden.
Der Traum ist ein geschickter Wächter des Gewissens, kann unaussprechliche Wünsche in harmlosen Bildern ausdrücken und gibt dem Unterbewußtsein die Möglichkeit, ans Licht zu kommen ohne dabei dem alles überwachenden Gewissen Schäden zuzufügen.