Die Mauerübung




Viele Menschen erinnern sich nur flüchtig an ihren Traum, blitzartige und terbrochene Visionen, andere hingegen erinnern sich bis ins kleinste Detail.
Es ist wichtig, daß wir “Zuschauer der ersten Reihe” des nächtlichen Schauspiels werden, wenn wir mithilfe der Traumbilder uns selbst oder das verschlüsselte Geheimnis verstehen wollen.

So beginnt ein Weg, der sehr unterhaltsam und interessant werden kann für alle jenen, die mehr über ihre Träume erfahren möchten.
Die Übungen, die wir Woche für Woche vorschlagen werden, dienen dazu, einen engeren Kontakt zwischen Traumwelt und wachem Zustand herzustellen.

Der Traum ist nichts anderes als eine Reihe von Bildern und Visionen. Wir sind live dabei und wohnen mit unseren Gefühlen dem bei, was sich vor unseren Augen abspielt. Um uns besser an unseren Traum erinnern zu können, sollten wir uns daher auf die “geistigen Landschaften” konzentrieren.

Beginnen wir mit der Mauerübung.

Stellt Euch vor, Ihr steht vor einem großen Fenster, das einen weiten Blick auf die Landschaft ermöglicht. Ihr seht eine Mauer, die zwei unterschiedliche Landschaften trennt: auf der einen Seite seht Ihr in greifbarer Nähe die reelle Welt, die Ihr kennt und Tag für Tag seht, auf der anderen Seite habt Ihr die Landschaft des Traumes, die keine Regeln kennt und die von Natur und Logik vorgegebenen Gesetze umgehen kann.
Angesichts dieser Szene laßt den Gefühlen freien Lauf und malt Euch aus, was wohl hinter der Mauer sich verstecken könnte: vielleicht Häuser mit Mund und Augen, Boote in einem Blumenmeer, nie gesehene Tiere oder Autos, die von Menschen geschleppt werden oder was auch immer Eure Phantasie kreiert.

Seid Euch aber stets bewußt, daß es keine “unterschiedlichen” Realitäten gibt: die Welten, die von der Mauer getrennt werden, gehören beide zu uns und wir empfinden sie gleich stark.
Der letzte Teil der Übung, um die Mauer zu entfernen besteht im Versuch, die beiden Welten miteinander zu vereinen, die Traumwelt mit ihren komischen Gestalten sollte harmonisch in unser alltägliches und geordnetes Leben übergehen. Auf diesem Wege werdet Ihr merken, daß die Einbildung Euch geholfen hat, zwischen den beiden Realitäten eine Beziehung herzustellen und daß nach wiederholten Übungen die Mauer immer schmäler und dünner wird: wir werden so diesen eingebildeten Visionen immer häufiger in unserer Nachtwelt begegnen, und wir werden uns auch nach dem Erwachen immer besser an den Traum erinnern können.

Die Phantasie wird so sicherlich angeregt, und die Übungen können auch vor dem Einschlafen wiederholt werden, wichtig ist volle Konzentration und freut Euch auf eine traumreiche Nacht.