Die Zahl 7




Der Traum sagt nichts Besonderes über die Träumerin aus, obwohl sie selbst vielleicht daran glaubt. Anscheinend befürchtet sie, daß der Traum etwas Negatives ankündigt.
In Wirklichkeit zeigt sich hier, wie unser Unterbewußtsein mit dem Traum zusammenarbeiten kann: nicht nur Unbekanntes und streng Gehütetes kommen darin vor, sondern auch neuere Erinnerungen und erlebte Erfahrungen, Bilder und Situationen, die uns beeindruckt haben, weil sie mysteriös oder unbekannt sind.
In dieser Erzählung sehen wir, wie ein Traum dieser Art auf Eindrücken beruht, die an etwas Magisches und Esotherisches erinnern. Es kommen alle Elemente und Schlüsselsymbole eines magischen Rituelles vor: die alte Frau ist der Magier, die Weise, die das Geheimnis streng hütet, das Mädchen wendet sich an sie, um eine verborgene und gefährliche Wahrheit zu entdecken.
Die Umgebung ist ebenfalls typisch: die Dunkelheit, in der Ferne ein schwarz glänzendes Meer, aus dem ein Tempel auftaucht. Die Form des Tempels ist die geheimnisumworbene Form einer Pyramide.
Es gibt auch einen Weg, um das “Wunder des Tempels” zu ergründen: das Mädchen erklärt in der Tat, sechsmal davon geträumt zu haben, bis beim siebten Mal der Tod eingetreten wäre. In Wirklichkeit kam der Traum mit aller Wahrscheinlichkeit nur einmal vor. Aber in eben diesem Traum wurde die Erinnerung an die anderen Träume wach, es handelt sich um nichts anderes als ein erneutes Täuschmanöver des Gedächtnisses.
Das letzte Element ist der Mann mit dem Hut, die moderne Version des Maskierten, des mysteriösen Wesens, das das Opferungsrituell vollzieht.
Das Ganze wird vom ständigen Auftauchen der Nummer sieben begleitet, der Zahl, die etwas Magisches und Heiliges an sich hat: sieben waren die Metalle der Alchimisten, sieben Hauptsünden und sieben Tugenden, sieben Tage-Rhythmus bestimmt unser Leben und bezieht sich auf die achtundzwanzig Tage des Mondmonates, die Bibel spricht von sieben Engeln und sieben Gemeinden.
Der Traum beruht also auch auf Bildern und Eindrücken aus dem täglichen Leben. Diese Erzählung zeigt uns, wie fasziniert Katja von den Wundern ist und drückt nichts anderes aus als den Wunsch danach, mit etwas Verborgenem und Verbotenem in Kontakt zu treten, etwas das nur wenigen offenbart werden kann, ein Geheimnis unserer Existenz.